Integrationspate Herwig Müller


Das letzte Projekt der Engagierten Stadt widmete sich der Willkommenskultur durch das Fest, das wir zum Austausch der Alteingesessenen und den Neuzugezogenen organisierten. Dass Willkommenskultur als Begriff vor allem seit der Welle an geflüchteten Menschen 2015 in den Medien neu geprägt worden ist, nehmen wir zum Anlass nach unserem Schlossfest, uns mit dem Ehrenamt für Geflüchtete auseinanderzusetzen. Herwig Müller betreut ehrenamtlich Flüchtlinge in Cuxhaven, ihn haben wir getroffen. Als Integrationspate betreut er geflüchetete Familien wie auch Einzelpersonen und erzählt uns von seinen Hürden und seiner Motivation.
Eben der Andrang der Geflüchteten im Jahre 2015 war für ihn ein Anstoß dafür, sich zu engagieren. „Ich habe mich erinnert, die Bilder aus dem Fernsehen oder aus der Presse hatte ich selbst als Kind erlebt“, erzählt er. Zu Kriegsende war Herwig Müller drei Jahre alt und die Eindrücke aus damaliger Zeit kamen in ihm wieder hoch. Er merkte, er muss und kann sich selbst einbringen und etwas Gutes tun. Also ließ sich Herr Müller zum Integrationspaten ausbilden und eignete sich einiges an Fachwissen an, wie zum Beispiel Angaben zum Asylbewerberleistungsgesetz, zum Aufenthaltsrecht oder zu Hartz IV. Die eigentlichen Erfahrungen sammelte er nicht durch sein erlerntes Wissen, sondern als er seine erste betreute Familie besuchte. Es handelte sich dabei um ein syrisches Kind, das Verhaltensauffälligkeiten in der Schule zeigte. Herr Müller übernahm die Betreuung des Kindes und setzte sich zugleich für die Familie ein, half ihnen bei den aufwendigen Anträgen und dabei, eine Wohnung zu finden. Herr Müller freut sich, wenn er davon erzählt, dass er mit Kindern der Familie schwimmen geht. Dass er dem Kind Sicherheit beim Radfahren beibrachte und ihm beim Schwimmunterricht begleitete. Dann ist ihm anzusehen, dass es entspannte und fröhliche Zeiten gibt neben den mühseligen nd anstrengenden Stunden, wo Anträge ausgefüllt werden.
Mühselig an seinem Ehrenamt sind nicht nur die Anträge bei denen er hilft, sondern auch die kulturellen Differenzen, mit denen er sich abfinden muss. Herr Müller hält nichts davon, den Geflüchteten Werte der Gesellschaft aufzuzwingen. Wichtig ist ihm nur, dass das Grundgesetz ernstgenommen wird. Oft ist da auch Frust in seinem Ehrenamt, wenn er etwas leistet für geflüchtete Menschen und das nicht anerkannt oder gar wahrgenommen wird, wie zum Beispiel, dass Herr Müller sich dafür einsetzte, günstiges Mensaessen für geflüchtete Schüler*innen zu organisieren. Das Angebot wurde von den Einzelnen kaum angenommen. Das sind dann auch Momente der Enttäuschung. „Du darfst nichts erwarten“, erzählt Herwig Müller. „Und es ist wichtig, dass Du selbst mit Dir im Reinen bist, keine ungelösten Probleme mit Dir rumträgst.“
Ansonsten wäre die Aufgabe zu mächtig und das Ehrenamt würde ihm dann mehr Last sein als Freude bereiten. Herr Müller fragt sich selbst nicht, wozu er das Ehrenamt leistet, das braucht er auch nicht zu hinterfragen. Für ihn steht im Vordergrund, etwas Gutes zu leisten, unabhängig von den Schwierigkeiten und des Zeitaufwandes. Er gehört zu den wenigen, die nach einem Jahr noch als Integrationspaten tätig sind . Viele sind abgesprungen, was Herr Müller sehr bedauert. Denn für ihn ist es sehr wichtig, dass es dieses Ehrenamt noch immer gibt, dass dringend neue Kurse aufgelegt werden und Menschen in allen Stadtteilen dazu motiviert werden, sich zu engagieren.
Denn hinter den gesamten Organisationsaufgaben, die Ordnung und Selbstdisziplin fordern, steckt auch das elementarste Mittel, das die Gesellschaft zusammenhält und bildet: Menschlichkeit.

Wer sich selbst als Integrationspate ausbilden lassen möchte oder anderweitig bzw. an anderen Stellen sich für Geflüchtete einsetzen möchte, kann sich gern bei Caritas, Diakonie oder dem Paritätischen Cuxhaven melden.